2. Februar 2026
1. Platz beim European Commission Drupal AI Hackathon „Play to Impact 2026“
Von Code zu Klarheit: Hackathons im Zeitalter der KI neu denken
Autor: Shibin Das, Senior Backend Developer
Hackathons bedeuteten für mich schon immer eines: Code, Koffein und kontrolliertes Chaos. Beim European Commission Drupal AI Hackathon – Play to Impact 2026 ging es jedoch um weit mehr als eine funktionierende Demo. Unser Ziel war es zu zeigen, wie AI Agents Redaktionsprozesse in Drupal konkret, spürbar und verantwortungsvoll unterstützen können – und Drupal als intelligenten Content-Hub zu positionieren, der mit Redakteur:innen zusammenarbeitet statt nur für sie zu arbeiten.

Die Bühne bereiten: Der Drupal AI Hackathon 2026
Zur Einordnung: Mein Name ist Shibin Das (D34dMan), und ich bin Teil des Backend Engineering Teams bei der Factorial GmbH. Während dieses Projekts hatte ich die Gelegenheit, eng mit meinem Kollegen David Galeano (gxleano), zusammenzuarbeiten, der ebenfalls Teil des Backend Teams ist. Außerdem bin ich Gründer von FlowDrop, einer visuellen Workflow Builder JavaScript Library, zusammen mit einem Drupal Projekt, das über reines Workflow Editing hinausgeht und Orchestrierung, Auditing und Logging umfasst.
Der „Play to Impact“ Drupal AI Hackathon 2026 brachte brillante Köpfe aus ganz Europa zusammen, um die Zukunft des digitalen Ökosystems der Europäischen Kommission mitzugestalten. Zwei Tage lang entwickelten Teams aus Entwicklung, Design und digitaler Innovation gemeinsam intelligentere, schnellere und offenere Lösungen mit Drupal und KI.
Obwohl der Hackathon selbst zwei Tage dauerte, begann er tatsächlich schon eine Woche früher mit einem virtuellen Kickoff. Das mag wie ein kleines Detail klingen, machte aber einen enormen Unterschied. Wir lernten unsere Teammitglieder früh kennen, tauschten erste Ideen aus und kamen am ersten Tag bereits als Menschen auf einer Wellenlänge an, nicht nur als Entwicklerinnen und Entwickler.
Tag Eins: Kein klassischer Hackathon
Sehr schnell wurde klar: Das hier läuft anders. Die erste Hälfte des ersten Tages drehte sich gar nicht um Code, sondern um:
- Das Team richtig kennenzulernen
- Die Geschäftsanforderungen zu verstehen
- Unbequeme, aber notwendige Warum-Fragen zu stellen
Zu diesem Zeitpunkt fiel auch unsere bewusste Entscheidung für Challenge #1: AI Agents for Content Editors. Während die zweite Challenge den Fokus auf AI-gestütztes No-Code-Site-Building legte, entschieden wir uns für das Thema, das ein konkretes, alltägliches Problem adressiert: den redaktionellen Arbeitsalltag in Drupal.
Erst danach starteten wir mit dem Brainstorming. Wir teilten Ideen, diskutierten Ansätze und hatten noch vor dem Mittagessen einen groben Plan. Allein das fühlte sich an, als würden wir eine inoffizielle Hackathon-Regel brechen.
Dann kam der wohl wertvollste Moment der Veranstaltung: 👉 Ein echtes Gespräch mit einer Nutzerin.
Dieses Gespräch hat unsere Sicht komplett verändert.
Mehr als die Hälfte unserer vermeintlich guten Ideen wurde verworfen. Nicht, weil sie technisch nicht machbar waren, sondern weil sie aus Nutzungs oder Business Sicht keinen echten Mehrwert boten. Stattdessen kristallisierte sich die eigentliche Frage heraus: Können KI Agenten in Drupal den Alltag von Redaktionen wirklich erleichtern?
Unsere Aufgabe war es, einen Proof of Concept zu bauen, der zeigt, wie KI Agenten redaktionelle Workflows unterstützen können, von Content Audits über Planung bis hin zur Optimierung. Ziel war es, Drupal zu einem intelligenten Content Hub zu machen, der mit Redaktionen arbeitet, nicht nur für sie.
Am selben Tag präsentierten wir unseren Stand dem Auftraggeber. Das Ergebnis war eine weitere Runde harter Priorisierung. Funktionen flogen raus, neue kamen dazu. Alles wurde neu auf echten Impact ausgerichtet, mit Fokus auf Automatisierung, ECA Integration, Datenethik, Governance und Human in the Loop Zusammenarbeit.
Am Ende von Tag eins war klar: Dieser Hackathon setzte auf Wirkung, nicht auf möglichst viel Output.
Tag Zwei: Parallel, fokussiert, klar
Am zweiten Tag standen wir unter Druck, aber im besten Sinne. Da wir wussten, was wir bauen und warum, konnten wir das Team gut aufteilen:
- Eine Hälfte konzentrierte sich auf die Entwicklung
- Die andere auf Demo und Präsentation
Kein Chaos. Keine Last Minute Grundsatzdiskussionen. Einfach umsetzen.
Hier zeigte sich auch, wie stark KI unterstützte Entwicklung ist. KI beschleunigte unsere Arbeit deutlich, nicht nur beim Coden, sondern auch bei:
- Schnellem Prototyping
- Vorbereitung der Demo
- Erstellung der Präsentation
- Schnellem Testen und Verwerfen von Ideen
Der Weg von der Idee zur funktionierenden Lösung war noch nie so kurz. Das verändert grundlegend, wie Hackathons und Produktentwicklung insgesamt angegangen werden sollten.
Wir müssen nicht mehr den Großteil unserer Zeit damit verbringen, Ideen in Code zu übersetzen. Stattdessen können wir zuhören, validieren und gezielt weiterentwickeln.
Wegwerf Lösungen sind kein Scheitern mehr, sondern Teil des Prozesses.
Der mentale Wandel (und das kleine PTSD) 😅
Ganz ehrlich: Der Umstieg war nicht leicht.
Der Reflex, sofort loszucoden, sitzt tief. Ihn loszulassen und einem Prozess zu vertrauen, der zuerst Verständnis und dann Umsetzung priorisiert, fühlte sich anfangs falsch an.
Doch am Ende des Hackathons hatte sich etwas verschoben.
Die Zusammenarbeit mit Business Stakeholdern erreichte ein Niveau, das vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen wäre. KI hat Entwicklung nicht ersetzt, sondern Raum geschaffen, um auf einer höheren Ebene zu arbeiten.
Das Ergebnis
Am Ende hat sich unser konsequenter Fokus auf Wirkung ausgezahlt. Als Team Token Burners konnten wir zeigen, wie KI-Agenten redaktionelle Workflows in Drupal direkt und spürbar unterstützen – von Content Audits über Planung bis hin zur Optimierung, eingebettet in bestehende Prozesse. Entscheidend war dabei nicht die Technologie selbst, sondern der Ansatz: KI als Co-Pilot, der Routinen übernimmt, während Entscheidungen, Verantwortung und Qualität bewusst beim Menschen bleiben.
🏆 1. Platz beim European Commission Drupal AI Hackathon – Play to Impact: 2026
Dieser Erfolg war echte Teamarbeit.
Team Token Burners: Adam Nagy (Team Lead), David, Henk, Ziarla, Imanol, Francesco, Aarón, Enrique und ich, Shibin Das.
Über den Wettbewerb hinaus konnten wir dem Drupal-Ökosystem konkreten Mehrwert zurückgeben:
Verbesserte Module
- FlowDrop
- FlowDrop AI Provider
Neue Module
- FlowDrop AI Agent
- FlowDrop Node Session
Das war kein reines Hackathon-Projekt, sondern echte, nutzbare Arbeit.
Eine rundum gelungene Veranstaltung
All das wäre ohne starke Organisation und Moderation nicht möglich gewesen.
Großer Dank geht an:
- Das Drupal Community of Practice Organisationsteam bei EC und EUIBAs
- Sabina La Felice, Monika Vladimirova, Antonio De Marco und Rosa Ordinana Calabuig
- Das Innovation Team von NTT DATA für die Begleitung von der Idee bis zum Pitch
- Die Jury für das fundierte Feedback
- Sponsoren und Partner wie Drupal AI Initiative, amazee.io — Drupal AI, Mistral AI, und DevPanel
Dieser Hackathon war nicht nur gut organisiert, sondern klar auf die Zukunft ausgerichtet.
Abschließende Gedanken: KI und die Zukunft von Drupal Hackathons
Diese Erfahrung hat mir eines klar gezeigt: In einer KI gestützten Welt ist nicht Code der Engpass, sondern Klarheit.
Wer Anforderungen wirklich versteht, hinterfragt und weiterentwickelt, schafft mehr Wert als reine Umsetzungsgeschwindigkeit. Wenn Hackathons genau darauf ausgelegt sind, entstehen Ergebnisse, die für sich sprechen.
Ich bin gespannt, wohin dieser Ansatz die Drupal Community als Nächstes führt.
Neugierig, warum konfigurierbare Workflows die Zukunft prägen und warum ich FlowDrop gebaut habe? Die ganze Geschichte gibt es hier